Zehn Tote nach Massenpanik auf Loveparade
24.07.2010 - 19:03 von SeeQ One
Es sollte eine Riesenparty werden, doch für viele Menschen endet dieser Tag in einer Tragödie. Bei der Loveparade in Duisburg kamen mindestens zehn Menschen ums Leben, mindestens 15 wurden verletzt.
Nach der Massenpanik mit Todesopfern bei der Loveparade in Duisburg hat die Polizei eine Telefonnummer geschaltet, unter der sich Angehörige von Opfern informieren können. Hotline: 0203 - 94 000.
Mindestens zehn Tote und 15 Verletzte
Vor dem Gelände vor der Loveparade in Duisburg ist es am Samstag zu einer Massenpanik gekommen. Nach Angaben der Polizei wurden dabei zehn Menschen getötet. Zehn weitere mussten wiederbelebt werden. Mindestens 15 wurden verletzt. Die Panik entstand in einem Tunnel der Karl-Lehr-Straße vor dem eigentlichen Love-Parade-Gelände.
Augenzeugen berichteten, Polizeibeamte hätten Tausende Menschen davon abgehalten, auf das Gelände der Loveparade zu strömen. Viele Besucher seien bei dem Andrang umgekippt. Einige hätten wiederbelebt werden müssen. Rettungskräfte seien kaum durchgekommen.
"Sehr chaotisch"
Polizeihauptkommissar Jürgen Kieskemper sagte, die Situation sei "sehr chaotisch". "Wir müssen noch aufklären, was da war." Nach seinen Angaben gab es auch eine nicht zu beziffernde Zahl von Schwerverletzten. Die Ursache der Panik sei noch unklar, sagte Kieskemper am frühen Abend. Unmittelbar vor der Meldung über die Massenpanik hatte die Polizei berichtet, das Veranstaltungsgelände sei wegen Überfüllung geschlossen worden. "Die Polizei gibt über Lautsprecher Hinweise an die Teilnehmer und bittet sie, zurück in Richtung Hauptbahnhof zu gehen." Die Polizei war mit mehr als 2.000 Landespolizisten vor Ort, wie Kieskemper weiter sagte. Zusätzlich seien noch 1.200 Bundespolizisten eingesetzt.
Polizei gewarnt?
Mehr als eine halbe Stunde vor der Massenpanik in einem Tunnel vor dem Loveparade-Gelände haben Augenzeugen die Polizei vor der Gefahr gewarnt. "Wir standen mittendrin. Es hatten immer mehr Menschen noch versucht, zum Gelände zu kommen", sagte der 21-jährige Raver Fabio der dpa. "Wir waren schon durch den Tunnel durch und standen auf dem kurzen Stück vor dem Eingang. Dort ging es aber nicht weiter." Einige seien über Zäune und eine Leiter geklettert.
"Wir sind danach durch den Tunnel zurück. Meine Freundin und ich haben schon kaum mehr Luft mehr bekommen und haben die Ellbogen ausgefahren, um noch wegzukommen. Anschließend haben wir die Polizei alarmiert und gesagt, dass es im Tunnel gleich zur Massenpanik kommen wird." Passiert sei aber erst einmal nichts. "Das war etwa eine Dreiviertelstunde vor dem Unglück gewesen. Da waren aber schon Leute reihenweise zusammengeklappt."
Die Feier geht weiter - Bahnhof gesperrt
Weil viele Menschen nichts von dem Tod von mindestens zehn Menschen bei einer Massenpanik mitbekommen haben, tanzten viele Gäste der Loveparade noch weiter. In der Nähe des Unglückortes hingegen verhalten sich viele der rund 1,4 Millionen Menschen auf dem Gelände und in dessen Nähe bereits ruhiger, berichtete der WDR.
Am Rande des Geländes kümmern sich viele Ärzte um die Verletzten. Auf der Autobahn 59, die unmittelbar neben dem riesigen Festgelände liegt, sind viele Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht zu sehen.
Viele Raver machen sich unterdessen bereits zum Bahnhof in Duisburg auf, um von dort wieder nach Hause zu fahren. Eine der wichtigsten Aufgaben der Behörden und Rettungskräfte ist es derweil, die vielen Besucher geregelt von dem Gelände zu holen.
Wegen der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg ist der Hauptbahnhof gesperrt. Bahnsprecher Udo Kampschulte sagte der dpa, durch die Panik seien viele Leute auf die Gleise in der Nähe des Loveparade-Geländes ausgewichen. "Sämtliche Gleise sind jetzt gesperrt", erklärte Kampschulte. Zugverkehr in Richtung Süden gebe es seit kurz nach 18.00 Uhr nicht mehr. Mittlerweile würden sich die Menschen vor dem Hauptbahnhof stauen. "Wir wollen versuchen, die Leute in Richtung Norden rauszubekommen". Neben der Bahnsicherheit sei auch die Bundespolizei im Einsatz.
Im abgesperrten Gelände
Die dritte Loveparade im Ruhrgebiet war am Nachmittag friedlich gestartet. Ab 14.00 Uhr rollten 15 sogenannten Floats über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs der Ruhrgebietsstadt. Erstmals fuhren die Paradewagen nicht wie in früheren Jahren durch die Innenstadt, sondern auf einem abgesperrten Gelände im Kreis. Schon zwei Stunden vor dem Startschuss herrschte in der Duisburger Innenstadt am Mittag eine Art Ausnahmezustand, als sich Zehntausende Elektro- und Technofans ihren Weg dorthin bahnten. Die Polizei hatte die Innenstadt weiträumig abgesperrt, um des Ansturms Herr zu werden.
Tiësto und David Guetta heizen ein
Hunderttausende Techno-Begeisterte haben am Samstag in Duisburg den Start der Loveparade gefeiert. Am Nachmittag setzt sich auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs ein Zug aus 15 Paradewagen mit Tänzern und DJs in Bewegung. Bis zur Abschlussveranstaltung ab 17 Uhr sollen die Wagen umringt von tanzwütigen Besuchern um den Platz mit der Haupttribüne kreisen.
Anschließend legen Elektro-DJs wie Tiësto aus den Niederlanden, Loveparade-Legende Westbam oder David Guetta zur musikalischen Kundgebung auf. Wie auch das Motto der Veranstaltung heißt die Loveparade-Hymne "The Art Of Love" - die Kunst der Liebe.
Erstmals auf einem abgeschlossenen Gelände
Anders als in früheren Jahren findet die Loveparade auf einem abgeschlossenen Gelände am Rande der Innenstadt zwischen Hauptbahnhof und der gesperrten Stadtautobahn statt. Zum Start drängten noch immer tausende Fans in einer breiten und Hunderte Meter langen Schlange zum Gelände. Zahlreiche Raver waren bereits angetrunken.
Ein Chaos blieb aber aus. Während die Loveparade bereits loslegte, herrschte nach Angaben der Polizei auf den Bahnhöfen der Ruhrgebietsstädte noch großer Andrang. Die meisten Züge sind rappelvoll.
Die Raver-Parade war 1989 in Berlin gegründet worden, ist 2007 in Ruhrgebiet gezogen und musste im vergangenen Jahr ausfallen, weil die Stadt Bochum keinen geeigneten Platz gefunden hatte. 2011 soll die Loveparade in Gelsenkirchen Station machen.
Loveparade-Chronologie
- 1989 gründet sie Techno-DJ Dr. Motte (Matthias Roeingh). Etwa 150 Technofans tanzen auf dem Kurfürstendamm unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen"
- 1994 tanzen bereits 120 000 Technofans um 40 Trucks herum
- 1996 kommen 750 000 Raver auf die Straße des 17. Juni im Tiergarten, nachdem der Kurfürstendamm zu eng geworden ist
- 1999 lockt der Musik-Umzug eine Rekord-Besucherzahl: 1,5 Millionen
- 2000 wird der Umzug exportiert: Nicht nur in Berlin, sondern auch in Wien, Tel Aviv und Leeds gibt es eine Loveparade
- 2001 Nach einem Bundesverfassungsgerichts-Urteil ist sie keine politische Demonstration mehr, sondern eine kommerzielle Veranstaltung. Eine Million Besucher werden gezählt
- 2002 gibt es mit 700 000 Besuchern einen Einbruch
- 2004 und 2005 fällt die Parade mangels Sponsoren aus
- 2006 feiert die Loveparade ein Comeback mit neuem Veranstalter. Unter dem Motto "The Love Is Back" tanzen laut Veranstalter bis zu 1,2 Millionen Menschen. Die Polizei schätzt 500 000
- 2007 wird das Ruhrgebiet für fünf Jahre zum Austragungsort. Polizei und Veranstalter geben zur ersten Parade in der Region gemeinsam eine Besucherzahl bekannt. Unter dem Motto "Love Is Everywhere" sind demnach in Essen etwa 1,2 Millionen dabei
- 2008 kommen in Dortmund unter dem Motto "Highway to love" 1,6 Millionen Besucher - Rekord
- 2009 fällt die Parade aus. Bochum findet kein Gelände.
- 2010 findet die Loveparade unter dem Motto "The Art Of Love" erstmals auf einem abgeschlossenem alten Bahngelände mit nur 15 Floats statt. 2011 soll sie nach Gelsenkirchen kommen.
(dpa, AFP, AP, N24)
24.07.2010 18:57 Uhr
Quelle: http://www.n24.de/news/newsitem_6221786.html
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